Haiku

Das HAIKU (Plural "die Haiku") ist "ein lyrisches Gedicht der Superlative" (M. Buerschaper, Deutsche Haiku Gesellschaft) und ist über die ganze Welt verbreitet. Seine Wurzeln liegen in der japanischen Literatur. Die Entwicklung beginnt im 9. Jahrhundert mit den fünfzeiligen Tanka. Im 17. Jahrhundert schrieb der größte japanischen HAIKU Dichter Matsuo Bashô seine HAIKU, die heute weltberühmt sind und der HAIKU Dichtung schließlich ihre Anerkennung brachte. Die wichtigsten Elemente eines HAIKU liegen in seiner Form. In drei Zeilen stehen je 5 - 7 - 5 Silben. Das HAIKU beschreibt ein Naturerlebnis und ist traditionell einer der Jahreszeiten zugeordnet. Die Beschreibung erfolgt in der Gegenwartsform. Dadurch gelingt es in einem Meister HAIKU Leserin und Leser den besonderen Augenblick des HAIKU zu vermitteln. Die manchmal ganz einfach anmutende Situationsbeschreibung in den beiden ersten Zeilen eines HAIKU strebt dabei einer überraschenden Lösung zu. Diese Lösung liegt nicht immer auf der Hand, manches HAIKU verlangt nach eingehender Betrachtung. Es mag darum auch nicht verwundern, dass HAIKU über die Jahrhunderte in den ZEN- Traditionen lebendig ist. HAIKU Dichtung in ihrer ganz unprätentiösen und doch so tiefsinnigen Art genießt viel Sympathie bei denen, die Spiritualität ohne jede Bevormundung suchen. So ist die HAIKU Bewegung im Westen sehr vielfältig. Das Internet ist eine große Fundgrube für HAIKU. Unzählige Seiten mit HAIKU, Diskussionen, Wettberwerben machen deutlich: HAIKU ist ein globales Phänomen und hat es geschafft weltweit für eine besondere Form der Lyrik zu begeistern und Menschen darüber in Verbindung zu bringen. Wer sich intensiver mit HAIKU auseinandersetzen und selbst HAIKU schreiben möchte, dem sei das Surfen im Internet ans Herz gelegt.

 

Japanische Haiku

Der alte Teich. 
Ein Frosch springt hinein -
das Geräusch des Wassers.
 
Er hat den hohen Herren 
vom Pferde steigen lassen,
der Kirschblütenzweig.

Bashô (1644-1694)

 

 Issa (1763-1827)

     
Beim Licht 
des Nachbarn sitze ich
an meinem Tisch. Oh, diese Kälte.
 
Elf Reiter,
einer hinterm andern im Schneesturm.
Keiner dreht den Kopf.

 Issa (1763-1827)

                   

 Shiki (1866-1902)

     
Den ganzen langen Tag
gesungen - aber der Lerche
war er nicht lang genug.
              
Den Mond im Fenster
hat der Dieb 
zurückgelassen.

 Bashô (1644-1694)

 

 Ryôkan (1756-1851)

     
Sogar mein Schatten
ist durch und durch gesund
an diesem Frühlingstag.
 
Sommergras
ist alles, was geblieben ist
vom Traum des Kriegers.

 Issa (1763-1827)

 

 Bashô (1644-1694)

     
Der große Buddha
ist kühl bis ans Herz
in der Hitze.
 
Stille - der Zikadenlärm
dringt
ein in die Felsen.

 Shiki (1866-1902)

 

 Bashô (1644-1694)

     
Das Glühwürmchen,
gejagt, flüchtet sich 
in den Mond.
 
Abend im Herbst.
Auf einem dürren Ast
hockt eine Krähe.

 Ryôta (1707-1787)

 

 Bashô (1644-1694)

     
Der Bauer, beim Rübenziehen,
zeigt den Weg
mit einer Rübe.
 
Diesen Weg
geht niemand
an diesem Herbstabend.

 Issa (1763-1827)

 

 Bashô (1644-1694)

     
Flöhe, Läuse -
die Pferde pissen nahe
bei meinem Kopfkissen.
 
Tiefer Herbst.
Mein Nachbar -
wie mag's ihm gehn?

 Bashô (1644-1694)

 

 Bashô (1644-1694)

     
Die Schlange glitt davon,
doch ihre Augen
blieben im Gras.
 
Die Sonne
im Auge des Falken,
der zurückkehrt auf meine Hand.

 Kyoshi (1874-1959)

 

 Tairo (?-1778)

     
Wintermond -
und nicht ein Stein, um ihn
nach dem Hund zu schmeißen!
 
Auch auf der kleinsten Insel
hat der Bauer im Feld
über sich seine Lerche.

 Taigi (1709-1772)

 

 Issa (1763-1827)

     
Meine Nachbarn hassen mich:
Sie klappern mit ihren Pfannen
in der Winternacht.
 
Groß und hell der Mond.
Ich ging und ging, aber
der Himmel blieb fern.

 Buson (1715-1783)

 

Chiyo-ni (1701-1775)


Kein Himmel,
keine Erde - aber immer noch
fallen Schneeflocken.

Hashin

Nur der Mond und ich
sind geblieben - auf der Brücke
im kalten Wind.

Kikusha-ni (1752-1826)

An allen Häusern
sind die Türen geschlossen:
Das Dorf im Winter.

Shiki (1867-1902)

Im Frühlingsregen,
Schirm und Regenmantel dort,
gehen und plaudern.

Buson (1716-1783)

 
Um mein Brunnenseil
rankt eine Winde sich,
gib mir Wasser Freund.

Chiyo-ni (1701-1775)

Im Frühlingsregen,
Schirm und Regenmantel dort,
gehen und plaudern.

Buson (1716-1783)

 

Mitternacht vorbei:
Im Wasser des Reisfeldes
die Milchstraße.

Izen (1652-1710)

»Ein Glühwürmchen,
sieh nur!« - wollt ich grad rufen.
Doch ich war allein.

Taigi (1709-1772)

 

Erster Herbstmorgen.
Ich schaue in den Spiegel -
das Gesicht meines Vaters.

Murakami (1865-1938)

Die rote Blume
wolltest du pflücken - und nun
blüht sie im Herbstwind.

Issa (1763-1827)

 

Ich dreh mich um -
der Mann, der mir entgegenkam,
vergeht im Nebel.

Shiki (1867-1902)

Herbstabend,
auf diesem Weg
geht niemand.

Basho (1644-1694)

 

 

 

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