Martial-Arts
Tai Chi Chuan (Tai-Ji-Quan)
![]() |
![]() |
![]() |
||||
| Entstehungsgeschichte des Tai Chi Chuan (Tai-Ji-Quan) |
||||||
| Um die Entstehungsgeschichte des Tai Chi Chuan
ranken sich verschiedene Legenden. Eine, wenn auch wenig glaubwürdige, ist
die folgende:
Der alten taoistische Priester Zhang-Sang-Feng hatte auf dem heiligen Berg Wu-Dang einen Traum, in dem ihm der legendäre Kaiser Xuan-Wu erschien und ihm das Tai Chi Chuan vermittelte. Hiernach wäre Tai Chi Chuan ein Geschenk der Götter. Wahrscheinlicher jedoch ist die Überlieferung, dass die Familie Chen aus der chinesischen Provinz He-Nan für die Entwicklung und Verbreitung des Tai Chi Chuan, das zu dieser Zeit noch andere Erscheinungsformen als heute aufwies, verantwortlich war. Der Stil des Chang-Quan (langes Boxen) wurde nach dem chinesischen Fluss Chang-Jiang (Jangtsekiang) benannt, da er mit den endlosen gleichen Bewegungen des Flusses verglichen wurde. Der Chang-Quan-Stil besteht aus dreizehn Grundformen, weswegen es auch ganz einfach als "Dreizehn Formen" (Shi-Shan-Shi) bezeichnet wird. Der Dreizehn-Formen-Stil besteht aus acht Grundhaltungen für die Hände und fünf Grundformen für die Körperhaltung. Dieser Stil weist große Ähnlichkeiten mit der Kampfkunst des Generals Qi-Ji-Guang (1528-1587 n.Chr.) zur Zeit der Ming-Dynastie auf. Der General entwickelte einen neuen Kampfstil, indem er aus den damals unter den Chinesen bestehenden sechzehn unterschiedlichen Boxschulen (Familien) die besten Formen auswählte, änderte oder miteinander verband. Seine Ergebnisse stellte er im Quan-Jing, dem Buch des Boxkampfs, dar. Man vermutet, dass das Tai Chi Chuan in starkem Maße durch den Stil Generals Qi-Ji-Guang beeinflusst wurde. Die Eigenschaften dieses neuen Boxstils wurden durch den Kampfkunst-Meister Wang-Zong-Yue (1736-1795 n.Chr.) in seinem Buch Tai-Ji-Quan Lun (Abhandlung über das Tai-Ji-Quan) beschrieben. Bemerkenswert ist, dass er die Philosophie des Yin und Yang in eine enge Beziehung zu dem neuen Boxstil brachte. Gleichzeitig führte er auch erstmals den Namen des Tai Chi Chuan, auch Tai-Ji-Quan, ein. Der Zeitpunkt, zu dem die Familie Chen diese neue Bezeichnung erstmals übernahm, ist nicht überliefert. Es ist jedoch bekannt, dass sich die neue Kampfkunst Tai Chi Chuan ausgehend von der Provinz He-Nan ab dem Jahre 1850 schnell über ganz China verbreitet hat. Im 19. Jahrhundert unterlag das Tai Chi Chuan einigen wesentlichen Veränderungen. Die kraftbetonten und explosiven Elemente wurden zu Gunsten von sanften und anmutigen Bewegungen herausgenommen. Das Resultat dessen ist die heutige Erscheinungsform des Tai Chi Chuan. Auf Grund seiner lockeren, weichen und runden Bewegungen war Tai Chi Chuan nicht mehr nur athletischen Sportlern vorbehalten, sondern konnte nunmehr auch von Kindern, Kranken und älteren Menschen praktiziert werden, was allmählich dazu führte, dass diese Kampfkunst auch wegen seiner gesundheitsfördernden Auswirkungen zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten angewandt wurde. |
||||||
Die verschiedenen Stile (Schulen) des Tai Chi Chuan
|
|
||
|
Die verschiedenen Stile (Schulen) des Tai Chi Chuan |
||
| In China sind verschiedene Tai Chi Chuan-Stile
verbreitet. Jede Stilrichtung hat in der Regel mehrere Unterarten, die zwar
jede über ihre Charakteristika verfügt, insgesamt jedoch überwiegen die
Ähnlichkeiten. Das Erlernen eines anderen Stils ist verhältnismäßig einfach.
Im Jahre 1956 hat das nationale Sportkomitee der Volksrepublik China für die Tai Chi Chuan Anhänger aus dem Yang-Stil eine kurze Form mit 24 Folgen, die sog. Peking-Form, herausgearbeitet und im Jahre 1957 die lange Form mit 88 Folgen überarbeitet. Die Peking-Form ist diejenige, die in China und der westlichen Welt am weitesten verbreitet ist, einerseits auf Grund ihrer vereinfachten Haltungen und andererseits wegen ihrem logischen Bewegungsaufbau, was dieser Form eine leichte Erlernbarkeit verleiht. |
||
| Da-Jia (Großer Rahmen)
Die Körperhaltung ist natürlich, der Körper gestreckt, die Bewegungen sind langsam und gleichmäßig fließend. Hinzu kommt ein schwunghafter Bewegungsablauf mit Ausgewogenheit zwischen Gewandheit und Standfestigkeit. Da-Jia weist Ähnlichkeiten mit dem Chen- und dem Yang-Stil auf. |
||
| Zhong-Jia (Mittlerer Rahmen)
Charakteristisch ist eine gemäßigte Haltung und ausgeprägte Bewegungen. |
||
![]() |
Xiao-Jia (Kleiner Rahmen)
Merkmale sind die kurze Reichweite der Bewegungen und ihre schnelle und gewandte Ausführung |
|
| Chen-Stil (auch bezeichnet als Form bzw. Familie)
Die längste Tradition unter den verschiedenen Stilen wird dem der Familie Chen aus der Provinz He-Nan zugeschrieben. Charakteristika sind der geschmeidige Übergang von Bewegungen mit und ohne Krafteinsatz und der Wechsel von plötzlichen Sprüngen zu langsamen, runden und fließenden Bewegungsabläufen (ähnlich der Ausführung von Bewegungen unter Wasser). Dieser Stil wird u.a. auch als Lao-Jia (alter Rahmen) bezeichnet, der den Kleinen, Mittleren und Großen Rahmen umfaßt. |
||
| Yang-Stil (Peking-Stil)
Der Yang-Stil umfaßt eine kurze Form mit 24 Folgen und eine lange Form mit 88 Folgen und ist in der westlichen Welt am meisten verbreitet. Sein Begründer ist Meister Yang Lu-Chan, der Tai Chi Chuan von Meister Chen Chang-Xing aus der Chen-Schule erlernte. Yang Lu-Chan verfeinerte den Chen-Stil, was später von seinem Enkel Yang Cheng-Fu fortgesetzt wurde. Merkmale dieses neuen Stils sind ruhige, fließende, harmonische und weiche Bewegungen in einem schwingenden Gesamtablauf. |
||
![]() |
Wu-Stil
Es gibt je nach ihrem Begründer zwei unterschiedliche Wu-Stile: |
|
| nach Wu Yu-Xiang (1812-1880) Wu Yu-Xiang war zunächst Schüler bei Meister Yang Lu-Chan aus der Yang-Schule und danach Schüler bei Chen Qing-Ping , einem Meister der Chen-Schule. Er veränderte den Da-Jia (Grßen Rahmen) zu Xiao-Jia (Kleiner Rahmen). Unter dem späteren Meister Hao Wei-Zhen fand dieser Stil am meisten Verbreitung, weshalb für diese Schule auch der Name Hao-Stil Verwendung findet. Besonderheiten dieser Schule sind flinke Bewegungen und schnelle Schritte mit kurzer Reichweit und einem schnellen Wechsel zwischen Öffnen und Schließen der Arme. nach Quan-You |
||
| Sun-Stil
Diese Stilrichtung entspricht dem Xiao-Jia (Kleinen Rahmen), der durch Meister Sun Lu-Tang (1861-1932), einem Schüler von Wu Yu-Xiang (Wu-Schule), angereichert wurde mit Elementen aus anderen Boxkampfkünsten wie z.B. dem Xing-Yi-Quan und dem Ba-Gua-Quan. Dieser Stil wird auch als Huo-Bu-Jia (Rahmen des beschwingten Schrittes) bezeichnet. Beschwingt deswegen , da der Sun-Stil charakterisiert ist durch den schnellen flinken Einsatz von Händen und Füßen und dem harmonischen Wechsel von Vorwärts- mit Rückwärtsbewegungen. |
||